So gelingt der Relaunch: 8 Tipps

Relaunch
Quelle: Sari ONeal / Shutterstock

Die größte Sorge bei einem Website Relaunch ist der Verlust von Sichtbarkeit oder Webseitenbesuchern. Unbegründet. Denn wer die Klaviatur im Relaunch-Business beherrscht, der kann die Neugestaltung des Webauftritts gewinnbringend und ohne Rankingverluste gestalten.

Im Idealfall wird bei einem Relaunch mit Domainwechsel die Sichtbarkeit nahtlos auf die neue Domain übertragen und erhöht sich danach noch signifikant als Folge der optimierten Webseite – so wie im Beispiel unseres Kunden.

Beispiel Sichtbarkeit vor und nach Relaunch

Sichtbarkeit vor und nach Relaunch

Man sieht deutlich den Zeitpunkt des Relaunches, an dem die alte Seite mit der grünen Linie „abgestellt“ und auf die neue Domain – blaue Linie – umgeleitet wurde. Mit der Berücksichtigung der folgenden acht Punkte können auch Sie bei einem Relaunch ihre Rankings stabilisieren.

1. Konzept und Struktur

Der wichtigste Erfolgsfaktor für den Relaunch ist eine vernünftige Vorbereitung. Als Basis dient die Bestandsaufnahme und Analyse der bisherigen Webseite. So wird schnell deutlich, wo Optimierungspotenziale liegen. Anschließend wird eine genaue Zieldefinition für die neue Internetumgebung erstellt. Neben den Experten für Online Marketing und technische Entwicklung sollten auch die Verantwortlichen für Markenführung, Einkauf und Produktmanagement in diesen Vorgang einbezogen werden, damit die neue Webseite allen Anforderungen genügt. Folgende Punkte müssen festgelegt werden:

  • welche Zielgruppe mit welchen Anforderungen soll angesprochen werden?
  • welche Struktur ist zielführend?
  • welcher Content ist nötig, wieviel und an welcher Position?
  • auf welche Keywords soll optimiert werden?+

Ohne Frage muss die Ausrichtung auf mobile Geräte bei allen Relaunches heute im Vordergrund stehen. Mobile First heißt die Devise. Hierzu gehört es z.B. die Größe und Menge von Texten und Bildern auf kleine Displays anzupassen und die Buttons so groß darzustellen, dass sie mit der Hand navigierbar sind. Auch Fragen der Usability müssen berücksichtigt werden, beispielsweise können Telefonnummern direkt mit einer Anrufoption verknüpft oder Chat-Fenster eingebunden werden. Darüber hinaus wird die Strukturtiefe geplant: Im Idealfall sind alle Seiten mit maximal drei Klicks erreichbar.

2. Testumgebung

Wenn die Struktur der neuen Webseite feststeht, muss unbedingt eine Testumgebung eingerichtet werden. In dieser kann in aller Ruhe entwickelt und probiert werden – und zwar ohne Auswirkungen auf die Live-Umgebung. Voraussetzung hierfür ist der Ausschluss des Crawlers und anderer Nutzer, damit keine Indexierung erfolgt oder Aufmerksamkeit auf die Seiten gelenkt wird. Am sichersten ist der Schutz der Testumgebung mit Passwort. Sollte dieser Schritt vergessen werden, so kann es zu nicht gewollten Rankings und duplicate Content kommen.

3. 301 Weiterleitungen

Um Rankingverluste nach einem Relaunch zu vermeiden und den Nutzerfluss über Google’s Suchergebnisse weiterhin zu ermöglichen, bedarf es der permanenten 301 Weiterleitung. Solange der alte Webserver nicht abgeschaltet wird, sorgen die 301 Redirects dafür, dass die neue URL Struktur über Weiterleitungen gefunden und indexiert wird. Sollten rankingrelevante Seiten mit einer hohen Anzahl an externen Verweisen ohne Weiterleitung aus der neuen Webseiten-Struktur ausgeschlossen werden, so kann das negative Folgen haben.

Ein wichtiges Hilfsmittel zur Kontrolle der Weiterleitungen ist ein exaktes URL-Mapping. Alte URL´s werden dabei den thematisch passenden URL´s der neuen Seite zugeordnet. Neben der Erhaltung des Rankings dient dieser Schritt auch der Usability für den Nutzer sowie der Crawlability für die Suchmaschine. Ein nützliches Tool zum URL-Mapping ist „Screaming Frog“, das übersichtlich alle Seiten einer Domain mit jeweiligem Weiterleitungsstatus anzeigt:

Beispiel: Screaming Frog

Beispiel: Screaming Frog

Weiterleitungsketten sollten durch Einsatz der htaccess-Datei vermieden werden.

TIPP: Denken Sie auch an Bild- und pdf-Weiterleitungen – diese werden oft vergessen.

4. 404 Fehlerseiten

Trotz der Bemühungen, alle Seiten richtig weiterzuleiten, wird hin und wieder eine Weiterleitung vergessen oder fehlerhaft implementiert. In diesem Fall werfen die Seiten einen 404-Fehler aus. Wir empfehlen im Zuge eines Relaunches auch eine Neugestaltung der 404-Fehlerseite, damit die User bestmöglich abgeholt werden und die Absprungrate so gering wie möglich bleibt. Eine ideenreich gestaltete 404-Seite wie bei Hornbach, die den Nutzer motiviert auf der Seite zu bleiben und weiter zu suchen, vermeidet oft den Absprung.

Beispiel für kreative 404-Seite

Beispiel für kreative 404-Seite

Wichtig ist, dass 404-Fehlerseiten auch einen 404-Statuscode an den Crawler zurückliefern. Die Google Search Console liest die 404-Statuscodes aus und bietet so eine gute Möglichkeit zur Identifikation und Behebung der Crawling Fehler.

5. Backlinks

Im Laufe der Zeit gibt es eine Vielzahl externer Links auf die Webseite, z.B. von fremden Blogs, Foren, Webseiten, Wikis. Diese Backlinks sind für das Ranking sehr nützlich und sollen nach Möglichkeit über einen 301-Redirect erhalten bleiben. Genauso wichtig ist aber auch die Bereinigung der Backlinks von schädlichen Links. Eine Liste an bestehenden Backlinks kann u.a. mit Hilfe der Google Search Console erstellt werden, die Bereinigung erfolgt entweder über manuelle Abbaumaßnahmen oder über die permanente Sperrung durch eine Disavow Datei.

6. Testen

Solange die neue Umgebung noch in einem Testumfeld geschützt ist, kann die Funktionalität auf Herz und Nieren geprüft werden. Wichtig ist z.B. das Testen von Ladezeiten, Content, SEO-Faktoren oder internen Verlinkungen. Häufige Verbesserungen in dieser Phase sind z.B.:

  • Titles sowie Meta Descriptions anpassen
  • Inhalte übertragen, konsolidieren und überarbeiten
  • PageSpeed verbessern
  • hreflang-Attribut für Sprach- oder Regions-URL einsetzen
  • Interne Verlinkungen optimieren
  • Einrichtung von robots.txt und Sitemaps

7. Livegang und Kommunikation

Planen Sie einen Livegang nie kurz vor Feiertagen oder vor dem Wochenende, auch ein vorhersehbarer Nachfragehöhepunkt ist kein guter Zeitpunkt für einen Relaunch. Planen Sie Zeit und Ressourcen für Verbesserungen ein, die unverzüglich nach dem Livegang umgesetzt werden können.

Beim Livegang startet die Indexierung der neuen Webumgebung. Pünktlich zum Relaunch muss daher auch die Sitemap auf den neuesten Stand gebracht und über die Google Search Console an Google übermittelt werden. Bei Seiten mit vielen Unterseiten empfiehlt es sich zudem, jeweils separate Sitemaps für die Indexierung zu erstellen und zu übermitteln. Eine wichtige Rolle spielt die Datei robots.txt . Sie hat zunächst dafür gesorgt, dass die Testumgebung nicht in der Google Indexierung erfasst wurde, nun sorgt sie für die vollständige Indexierung oder kann verwendet werden, um einzelne Seitenbereiche von der Indexierung auszuschließen. Während die Datei robots.txt Verzeichnisse zentral sperrt, sollten einzelne Seiten mit Hilfe von Robots-Meta-Tags ausgeschlossen werden. Diese Meta-Tags signalisieren dem Crawler, welche Seite nicht in den Index übernommen werden soll.

Vergessen Sie auch die Kommunikation über den Relaunch nicht. Die Welt muss wissen, dass es hier eine neue Webseite gibt. So wecken Sie Neugier und gewinnen unter Umständen Interessenten zurück, die Sie durch die alte Webseite verloren haben. Und Sie erhalten möglicherweise neue Backlinks für Ihre optimierte Webseite. Das Teilen und Verbreiten der neuen Seiten hat den Vorteil, dass diese schneller in den Index der Suchmaschinen kommen.

TIPP: Weisen Sie Google auf die neue Webseite hin, z.B. mit einer beschleunigten Neuindexierung über die Google Search Console!

8. Tracking & Monitoring

Sie denken, dass der Relaunch mit dem Live-Gang beendet ist? Weit gefehlt. Kontinuierliche Analyse, Weiterentwicklung und Erfolgskontrolle sollte ein fester Bestandteil Ihrer Planung sein. Der Einsatz der Google Search Console aber auch der jeweiligen Tracking Tools der Webseite wie z.B. Google Analytics sind für die Erfolgskontrolle der Webseite unverzichtbar. Voraussetzung für die Analyse ist sowohl die Synchronisation der neuen Seite mit der Google Search Console als auch die Implementierung der Tracking Codes der verwendeten Analyse Tools auf den relevanten Webseiten.

Bei kontinuierlichem Monitoring lassen sich durch Nutzungsstatistiken viele Anhaltspunkte für Optimierungspotenzial erkennen. Interessante Kennzahlen sind z.B. Besuchszahlen einzelner Seiten (Impressions, Clicks, Visits), Verweildauer, Abbruchraten, Pfadanalysen oder Conversiontrichter.

 

Ein Relaunch ist kein Hexenwerk

Mit Erfahrung, Fingerspitzengefühl und viel handwerklichem Know-How ist der Erfolg planbar und das Potenzial einer modernen und flexiblen Webseite kann voll ausgeschöpft werden.

 

Aike Schultheis

von Aike Schultheis

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